2019-03-22

Yayoi Kusama - Punkte und Kürbisse

Heute vor 90 Jahren wurde  
Yayoi Kusama - Princess of Polka Dots - 
in Japan geboren.

gefunden bei SlideShare

FRANKFURTER ALLGEMEINE
vom 22.3.2019



Künstlerin Yayoi Kusama : Im Turm der roten Punkte 
Sie ist bekannt für Punkte und Kürbisse in unendlich gespiegelten Räumen: Die japanische Künstlerin Yayoi Kusama, die mit ihren drastischen Aktionen „Occupy Wall Street“ vorwegnahm, steht auch mit 90 noch jeden Tag im Atelier. 


Verehrter Kürbis: Künstlerin Yayoi Kusama.
Verehrter Kürbis: Künstlerin Yayoi Kusama. Bild: Picture-Alliance


Sie dürfte eine der sehr wenigen Künstlerinnen sein, die mit neunzig noch täglich ins Atelier und in ihr eigenes Museum gehen – direkt aus der Nervenklinik, in der sie aufgrund der Traumatisierung durch ihr Elternhaus und Kriegszwangsarbeit als Dreizehnjährige in einer Fallschirmfabrik seit 1977 lebt, nur über die Straße. Dort steht das von ihr 2017 zusammen mit einer Stiftung gegründete Museum, das als ihr gebautes Alter Ego angesehen werden kann: Exzentrisch überragt der weißbläulich schimmernde Turm mit seinen fünf Stockwerken auf abgeplattetem Parabelgrundriss die meist nur dreigeschossigen Häuser seiner Umgebung der Tokyoter Schlafstadt Shinjuku-ku.
Das Museum, ebenso eigenwillig wie seine Gründerin mit den meist grellrot gefärbten Haaren, zeigt durch unjapanisch große Fenstereinschnitte in allen Stockwerken bereits von außen offen und selbstbewusst wie ein Schaufenster an, dass es ausschließlich Kusamas Malereien, Skulpturen, Installationen sowie Videos ihrer inzwischen legendären Happenings präsentiert und die Künstlerin keinesfalls gewillt ist, in der japanischen Gesellschaft als Frau grau zu bleiben oder sich hintanzustellen.

Warhol und Oldenburg machten sie bekannt

Dabei galt Kusama wie ihre Altersgenossinnen Louise Bourgeois, Carmen Herrera oder Maria Lassnig lange als Prophetin im eigenen Land annähernd nichts; bis in die achtziger Jahre dauerte es, bevor sie in ihrer Heimat eine wichtige Ausstellung ausgerichtet bekam. Andy Warhol und Claes Oldenburg erst mussten sie weltweit über den Umweg New York bekannt machen, wo sie von 1958 bis 1972 überwiegend lebte.



Auch mit neunzig noch jeden Tag im Atelier: Yayoi Kusama.
Auch mit neunzig noch jeden Tag im Atelier: Yayoi Kusama
  
In diesen quirligen Nachkriegsjahrzehnten, in denen New York die globale Kunstführerschaft an sich riss, impfte Kusama sich mit allen am Hudson ineinanderfließenden Strömungen von Minimalismus und Pop-Art bis zu einem späten Impressionismus und Surrealismus. Mit ihren vehementen Aktionen nahm sie 1968 „Occupy Wall Street“ vorweg. Im Verbund mit ihrem bodenständigen Erststudium an der Kyoto School of Arts and Crafts in der starkfarbigen japanischen Nihonga-Malerei führt dies zu einem Eklektizismus, der vordergründig das Klischee eines westlichen Japan-Bildes überzuerfüllen scheint, zugleich aber im „Clash of Cultures“ zweier sich vor kurzem noch bekriegender Kulturen etwas Einzigartiges schafft.

Polka dots wie Kirschblüten: Ein Teil der Installation „With All My Love for the Tulips, I Pray Forever“ in der Marciano Art Foundation in Los Angeles.
Polka dots wie Kirschblüten: Ein Teil der Installation „With All My Love for the Tulips, I Pray Forever“ in der Marciano Art Foundation in Los Angeles
 
Die Installation „Rockaway! 2018: Narcissus Garden“ aus 1500 Spiegelkugeln in New York.
Die Installation „Rockaway! 2018: Narcissus Garden“ aus 1500 Spiegelkugeln in New York
   

Freilandkürbis „Kabocha“ auf der Kunstinsel Naoshima in Japan.
Freilandkürbis „Kabocha“ auf der Kunstinsel Naoshima in Japan
 
Zaubergewächse im Unendlichkeitsspiegel 

Am plastischsten ist diese künstlerische „Fusion Kitchen“ süßsauer wohl in ihren Performancevideos zu spüren, in denen sich Nackte mit grellroten „Polka-Punkten“ auf den Körpern wie aufs Äußerste abstrahierte Kirschblüten bewegen, Kusama mithin die alte japanische Tradition des sich im Bild ungeschützt bis trunken reflektierenden Künstlers unironisch mit feministischen Aktionen und der Minimal Art kreuzt. Blieb doch die Wurzel ihrer Kunst anders als in der verkopften New Yorker Moderne stets die zwar stilisierte, aber konkrete Natur, etwa wenn sie alraunenartige Riesengewächse modelliert, Blütenblätter auszupft und ornamental anordnet oder sich selbst als Blume gewandet in ein van-Gogh-haftes Sonnenblumenfeld einpflanzt.
Vor allem dient ihr das in Japan hochverehrte Symbol des Kürbisses als zentrale Metapher ihres Lebens und künstlerischen Schaffens. Oft schwarz gepunktet, werden die grellorangen Zaubergewächse mittels von ihr so genannter „Unendlichkeitsspiegel“ unüberschaubar zu Ornamentfeldern reproduziert und behalten doch auf seltsame Weise eine individuelle Aura; pseudofröhliche Metaphern des ernsten Lebens sind sie deshalb, weil im Kosmos der Künstlerin die Punkte für Atome und Wesen zugleich stehen, die in der Unendlichkeit des Alls buddhistisch kurz aufleuchten, nur um im nächsten Moment im Nichts aufzugehen.
Mittlerweile in allen größeren Städten und Sammlungen der Welt zu sehen, teilen diese Installationen Kusamas allerdings das Schicksal der Werke ihres nur wenige Wochen älteren New Yorker Freundes Claes Oldenburg: Die einst starke Idee droht hinter dem massenhaft vervielfältigten, schnellen Wiedererkennungswert der gepunkteten Kürbisgewächse verlorenzugehen. Dass Yayoi Kusama selbst auch über ihren heutigen neunzigsten Geburtstag hinaus das bekannte auratische Original bleibt, daran besteht indes wenig Zweifel.

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst/der-japanischen-kuenstlerin-yayoi-kusama-zum-90-16101281.html



monopol
Magazin für Kunst und Leben
vom 22.3.2019



 90. Geburtstag

Punktsieg Yayoi Kusama

Am heutigen Freitag wird Yayoi Kusama, die bekannteste japanische Künstlerin der Gegenwart, 90 Jahre alt - und arbeitet weiter an der Punktisierung der Welt
Der Eigensinn, mit dem die junge Japanerin Yayoi Kusama sich im New York der 50er-Jahre entgegen allen Trends durchbiss, ist atemberaubend. Von Anfang an legte sie eine zweite Wahrnehmungsebene über die Wirklichkeit. Sie malte monochromatische, potenziell unendliche Netzstrukturen, die frühen "Infinity Net"-Bilder, trug sie durch ganz Manhattan in die Museen – und wieder zurück in ihr Studio, weil sich zu Zeiten des abstrakten Expressionismus niemand dafür interessierte.

In den 60er-Jahren kamen dann die Punkte dazu, die sie über Menschen, Objekte und Räume verteilte, manchmal in polizeilich aktenkundigen Sex-Happenings. Seit ihrer Jugend hatte Kusama unter Halluzinationen gelitten, aus ihrem eigenen, labilen System der Weltwahrnehmung entwickelte sie ein einzigartiges Raum- und Körpererlebnis für alle: "Wenn ich beispielsweise meinen gesamten Körper mit Punkten bemale und auch den Hintergrund mit Punkten versehe, ist das ein Akt der Selbstauslöschung."
Ihrer Idee, die ganze Welt mit einem Muster zu überziehen, liegt weniger ein egomaner Wahn als ein liebevoller und friedfertiger Gedanke von Gleichheit und Einheit zugrunde. Auf den ersten Blick mag die Turbovermarktung des Kusama-Looks von Laufsteg bis Museumsshop dazu nicht recht passen. Auf den zweiten aber schon: Nur Massenprodukte können helfen, die Welt endlich vollkommen durchzupunkten.

https://www.monopol-magazin.de/punktsieg-yayoi-kusama



that`s
vom 4.3.2019

Polka Dot Princess Yayoi Kusama on Her Shanghai Show and Seeing Circles

By Sarah Forman

'Infinity Mirror Room-Phalli’s Field', 1965, Yayoi Kusama © YAYOI KUSAMA

Kusama with her new painting series " My Eternal Soul", 2012 ©️Yayoi Kusama


http://www.thatsmags.com/china/post/27081/polka-dot-princes--yayoi-kusama


https://www.youtube.com/watch?v=wKGvzehQ1CA
https://www.youtube.com/watch?v=4RegxhTu748
https://www.youtube.com/watch?v=-4uLeTY3fvk
https://www.youtube.com/watch?v=iT360Glhb9o
https://www.youtube.com/watch?v=-3k-86WrmHQ
https://www.youtube.com/watch?v=rRZR3nsiIeA
https://www.youtube.com/watch?v=yAGUUl38pyQ
https://www.youtube.com/watch?v=RwNBBvAF4xw
https://www.youtube.com/watch?v=H3NdocJ7BHk
https://www.youtube.com/watch?v=9WtEF94zwmM
https://www.youtube.com/watch?v=qjAzNDObUZ8
https://www.youtube.com/watch?v=isRUwZ_Nx-o

2019-03-21

Wiederentdeckte Künstlerinnen

 
 
Alte Meisterinnen

Yayoi Kusama, Ruth Wolf-Rehfeldt, Ingrid Wiener: Jahrzehntelang interessierte sich kaum jemand für ihr Werk. Im Rentenalter wurden sie zu Superstars. 

 


Yayoi Kusama (geb. 1929) ist sie eine der teuersten Künstlerinnen der Welt und Liebling der Instagrammer.
Yayoi Kusama (geb. 1929) ist sie eine der teuersten Künstlerinnen der Welt und Liebling der Instagrammer.Foto: imago/China Foto Press
Es ist die letzte Möglichkeit zum Gespräch; am nächsten Tag geht sie für vier Wochen in ihr Retreat. Dafür fährt Ruth Wolf-Rehfeldt nicht ins teure Spa – sie bleibt einfach vier Wochen lang zu Hause. Den Buddhismus hat sie nach der Wende entdeckt, zur selben Zeit, als sie aufhörte, Kunst zu machen. RWR, wie viele sie nennen, sah die Notwendigkeit nicht mehr. In der DDR hatte sie mit ihrer grafischen Schreibmaschinenkunst Grenzen überschritten, Grenzen zwischen Kunst und Poesie, zwischen Ländern und Systemen. Auch wenn sie selbst nicht nach Mexiko oder New York reisen konnte, ihre Mail Art flog überall hin. Nun, da die Grenzen offen waren, stellte sie fest: Es gibt schon so viel Kunst. Warum dann noch mehr?
Anzeige
Anzeige
Knapp 30 Jahre ist es her, dass sie ihre Laufbahn beendete. Heute ist die Künstlerin 87 Jahre alt – und wird gefeiert wie nie. Das Museum Weserburg Bremen hat ihren Vorlass gekauft und einen großen Katalog zusammengestellt, sie wurde zur Documenta eingeladen, auf der Art Basel und in Ausstellungen vorgestellt. Inzwischen hat sie einen Verleger und eine Galerie in Berlin, und am kommenden Mittwoch widmet das Haus für Poesie in Prenzlauer Berg der Grenzgängerin einen eigenen Abend.
Es sind oft junge Leute, die bewundernd vor ihren Arbeiten stehen, welche so modern, so eigen wirken. Abstrakte „Typewritings“, geschaffen aus getippten Buchstaben und Zeichen, aus subtilen Botschaften und stillem Humor.
WERBUNG
Ruth Wolf-Rehfeldt (geb. 1932) Die Mail-Artistin aus Ost-Berlin überwand mit ihren „Typewritings“ Grenzen. 

Ruth Wolf-Rehfeldt (geb. 1932) Die Mail-Artistin aus Ost-Berlin überwand mit ihren „Typewritings“ Grenzen.Foto: Wikipedia / Creative Commons
Der Weg zu RWR führt am Autohändler und an Kleingärten vorbei. In ihrer winzigen Küche in Französisch Buchholz rührt sie den Nescafé an, mit dem es ins vollgestopfte Wohnzimmerchen geht. Die Künstlerin macht nicht den Eindruck, als hätte der späte Ruhm ihr Lebensglück entscheidend verändert. Als das Gespräch auf die Documenta 2017 kommt, schwärmt sie vor allem von den schönen Spaziergängen in Wilhelmshöhe. Wobei schwärmen fast schon übertrieben ist. RWR ist eine zurückhaltende Person – ihr Mann Robert Rehfeldt, der 1993 verstorbene Pionier der Mail Art in der DDR, der sie zur Kunst ermutigt hat, war der Extrovertierte.



Ruth Wolf-Rehfeldt war nicht die einzige ältere Dame auf der 14. Documenta. Dort konnte man auch die damals 91-jährige Geta Bratescu entdecken, die experimentierfreudige Rumänin, die sich mit ihrem vielseitigen Werk von Performance bis Bildhauerei dem Diktat des sozialistischen Realismus verweigerte. 2018 widmete ihr der Neue Berliner Kunstverein eine Solo-Show.


Geta Bratescu (1926-2018) Die vielseitige Rumänin experimentierte mit Performances, Cut-outs und Skulpturen.
Geta Bratescu (1926-2018) Die vielseitige Rumänin experimentierte mit Performances, Cut-outs und Skulpturen.Foto: Stefan Sava

Die Damen liefern fette Kost

Es gab eine Zeit, noch gar nicht so lange her, da konnten die Künstler gar nicht jung genug sein. Galeristen fischten sie von der Hochschule weg, pushten sie hoch und verheizten sie oft. Und jetzt? Sind die Seniorinnen dran. Die Liste derer, die erst spät oder posthum geehrt werden, ist lang: Christa Dichgans, Jeanne Mammen, Eva Hesse, Anita Rée, Alice Neel … Selbst Louise Bourgeois und Maria Lassnig wurden erst im Rentenalter zu den Superstars, die sie heute sind. Performancekünstlerin Takako Saito hat mit 88 ihre erste Retrospektive bekommen, Rose Wylie wird mit 84 als Junge Wilde gefeiert.


Christa Dichgans (1940-2018) gilt als „Grande Dame der deutschen Pop-Art“. Aus dem Alltag machte sie Kunst.
Christa Dichgans (1940-2018) gilt als „Grande Dame der deutschen Pop-Art“. Aus dem Alltag machte sie Kunst.Foto: Jan Bauer
Gründe dafür gibt es fast so viele wie Artistinnen. Das fängt damit an, dass das Interesse an Kunst insgesamt seit Jahren boomt, sodass ständig neues Futter benötigt wird. Und die Damen liefern fette Kost: ein unbekanntes, überraschendes Œuvre. Sie haben nicht nur einzelne Werke, sondern ein ganzes, reifes Werk vorzuweisen.
Davon profitieren jetzt, zum 100. Geburtstag, auch endlich die Bauhausfrauen, denen sich auffallend viele Bücher, Fernsehfilme und Ausstellungen widmen. Über Gropius ist eigentlich alles gesagt. Über Anni Albers nicht. Besucher ihrer Solo-Show, die im letzten Jahr erst im Düsseldorfer K20, anschließend in der Londoner Tate Modern lief, waren verblüfft von ihrer ebenso abstrakten wie sinnlichen Textilkunst, deren Vielfalt und Offenheit gegenüber Inspirationen.

„Frauen malen nicht so gut“

Anders als die Jungen hatten die Alten Jahrzehnte Zeit, ihr Werk zu entwickeln. Jahrzehnte, in denen sie kaum oder gar nicht beachtet wurden. Weil sie im Schatten der Männer, nicht selten ihrer eigenen, standen, weil sie keiner Schule angehörten, jenseits der aktuell angesagten Trends arbeiteten. Weil sie, ganz einfach: Frauen waren. Die es bis heute ungleich schwerer haben, ins Museum zu kommen. Vorurteile halten sich hartnäckig. Noch 2013 erklärte Georg Baselitz im „Spiegel“, „Frauen malen nicht so gut“. Und wer Kinder bekommt, hat es selbst im 21. Jahrhundert schwer, als Künstler ernst genommen zu werden. Für junge Väter gilt das nicht. Auch deswegen haben es die Alten einfacher: Sie sind aus dem gebärfähigen Alter raus.
Was allen Frauen hilft, ist der Aufstieg der Kuratorinnen an die Spitze vieler Institutionen. So hat die Direktorin der Tate Galleries gerade entschieden, in der Ausstellung britischer Kunst seit 1960 für mindestens ein Jahr nur Künstlerinnen zu zeigen. Ihr ging die Wiederentdeckung nicht schnell genug.
Im Nachhinein gereicht den Künstlerinnen die frühere Nichtbeachtung durchaus zum Vorteil. Denn frei vom Druck des Kunstbetriebs machten sie einfach, was sie für richtig hielten und nicht, was erwartet wurde. Jetzt werden sie bewundert für die Hartnäckigkeit, mit der sie ihre eigene Sache betrieben. So wie Carmen Herrera, die die „New York Times“ 2009 auf der Titelseite als „The Hot New Thing in Painting“ ankündigte. Dabei hat die kubanischstämmige New Yorkerin mit 89 ihr erstes Bild verkauft. Mit 103 malt sie immer noch ihre radikal reduzierten Werke, geometrische Abstraktion mit nie mehr als zwei Farben. Ermöglicht hat ihr dieses Leben ihr Mann, der als Englischlehrer das Geld verdiente und sie bat, keinen Brotjob anzunehmen, sondern zu Hause zu bleiben und Kunst zu machen.


Carmen Herrera (geb. 1915). Die kubanischstämmige New Yorkerin verkaufte mit 89 Jahren ihr erstes Bild.
Carmen Herrera (geb. 1915). Die kubanischstämmige New Yorkerin verkaufte mit 89 Jahren ihr erstes Bild.Foto: picture alliance / Adriana Lopez Sanfeliu
Je oller, desto doller die Rezeption. Die Geschichte der 103-Jährigen, die nach wie vor malt, ist natürlich auch genau das: eine großartige Geschichte. Die das Feuerwerk erst richtig entfacht. So wie der spektakulärste Fall der posthumen Auferstehung – Vivian Maier, die als Kindermädchen in den USA fantastische Street-Fotografie betrieb, Tausende von Aufnahmen machte, sie aber niemandem zeigte. Durch einen Zufall wurde ihre Arbeit 2007 entdeckt.
Als Außenseiterinnen, nicht selten auch Autodidaktinnen, entwickelten die Künstlerinnen zudem einen anderen Blick auf die Welt. Ein Blick, der heute auf mehr Interesse stößt als noch vor einem halben Jahrhundert.
So wie Ingrid Wiener. Gerade ist ein Buch über die Österreicherin erschienen, geschrieben von der jungen Berliner Autorin Carolin Würfel, deren Bewunderung der Frau so sehr wie der Künstlerin gehört. „Ingrid Wiener und die Kunst der Befreiung“ (Hanser Berlin) schildert das Leben einer pragmatischen Bohemienne.
Als Teenager ging Wiener zu einem Zuhälter, um zu lernen, wie guter Sex funktioniert (eine enttäuschende Recherche); als junge Textilkünstlerin webte sie erst mal Teppiche für Friedensreich Hundertwasser, nach dessen Bilder-Vorlagen, die dieser unter seinem Namen verkaufte. „Wir wollten nicht berühmt werden“, sagt Wiener heute, „wir wollten Geld verdienen.“


Ingrid Wiener (geb. 1942). Die Wiener Köchin und Künstlerin (in der Mitte) wird gerade als bodenständige Bohemienne entdeckt.
Ingrid Wiener (geb. 1942). Die Wiener Köchin und Künstlerin (in der Mitte) wird gerade als bodenständige Bohemienne entdeckt.Foto: picture-alliance / SCHROEWIG/Gud
Das hat sie zwischendurch auch gemacht, indem sie sich an den Herd stellte, erst im legendären Kreuzberger Künstlerlokal „Exil“, später in Dawson City, der Goldgräberstadt, wo sie mit ihrem Künstlergatten Oswald Wiener ein Hotel betrieb. Zwischendurch zog sie die Schürze immer wieder aus, um ihre Gobelins zu weben, in denen sie Alltagsdinge wie Gurken, Quittungen und Einkaufszettel verwob. Dann ging’s zurück an den Herd, österreichische Speisen kochen, was für sie keine Strafe, sondern ein Vergnügen war. Stieftochter Sarah Wiener hat bei Ingrid gelernt.

Kunst von Yayoi Kusama ist heute Millionen wert

Kurzer, grauhaariger Wuschelkopf, kullerrunde Brille, strahlende Augen, bunt karierte Schuhe – bei den Buchpräsentationen vorletzte Woche in Berlin kichert die 76-Jährige wie ein junges Mädchen, wenn sie aus ihrem reichen Leben erzählt. Das junge Publikum liegt ihr buchstäblich zu Füßen, Dussmann hat ein Schaufenster mit dem Buch gefüllt, eine Woche lang gibt sie jeden Tag ein Interview. Auf die Frage, ob sie bedauert, nicht früher Anerkennung gefunden zu haben, antwortet Wiener mit einem österreichischen „Naa!“. Wobei ihre Gelassenheit, genau wie die von Ruth Wolf-Rehfeldt, vielleicht auch mit den geringen Erwartungen zu tun hat, die an sie als Mädchen gestellt wurden.
Der plötzliche Boom der Oldies hat natürlich etwas mit den neuen Kanälen zu tun, über die Vergessene jenseits der Kunstkritik Aufmerksamkeit bekommen. Prominentestes Beispiel: Yayoi Kusama, die als Japanerin im New York der 60er Jahre mit ihren ungewöhnlichen Skulpturen zwar beachtet, aber für ihren Geschmack schwer unterschätzt wurde und nach einem Nervenzusammenbruch in ihre Heimat zurückkehrte. Heute, mit 89, gilt sie als eine der teuersten Künstlerinnen der Welt, kostet ein Bild nicht mehr 75 Dollar, sondern schon mal sieben Millionen.


Anni Albers (1899-1994). Die Bauhauskünstlerin (hier mit Ehemann Josef) ist durch ihre abstrakten Teppiche und Textilien bekannt.
Anni Albers (1899-1994). Die Bauhauskünstlerin (hier mit Ehemann Josef) ist durch ihre abstrakten Teppiche und Textilien bekannt.Foto: picture alliance/AP Images
Die Mutter hat ihr das Zeichnen als Kind einst verboten und Bilder zerrissen. Das Selbstbewusstsein der Tochter zu zerstören gelang ihr nicht: „Es gibt nichts, was ich nicht ausdrücken kann.“ Allein im letzten Jahr hatte die Künstlerin fünf große Einzelausstellungen, ein eigenes Museum hat sie auch. Gegenüber von der Nervenklinik, in der sie seit 40 Jahren freiwillig wohnt, das heißt vor allem schläft, weil sie von morgens früh bis abends spät in ihrem Atelier arbeitet – die Kunst empfindet sie als Schutzschild gegen die Krankheit. Während die Kritiker noch darüber diskutieren, ob ihre Arbeit nun gefällig ist, ein existenzieller Schrei der Verzweiflung oder ein einzigartiges Beispiel der Konzeptkunst, haben die Instagrammer längst ihre Bilder gepostet. Für die sozialen Medien ist die schillernde Kusama wie geschaffen. Auf Fotos kann man gar nicht sagen, wo die Künstlerin aufhört und ihre Kunst anfängt. Sie malt knallbunte dicke Punkte und trägt knallbunte dicke Punkte, passend zum knallroten Pagenschnitt.

Bekanntmachen allein reicht nicht

Kusama ist bei David Zwirner unter Vertrag, Nummer 1 unter den Kunsthändlern, der auch die Nachlasse von Anni Albers und Alice Neel betreut, die mit ihrem eigenwilligen, politischen Realismus in den letzten Jahren Furore machte. Denn auch das fördert die weibliche Attraktivität: dass die Steigerungsraten der Preise großes Potenzial haben. Unter den 50 teuersten Künstlern der Welt findet sich bisher keine einzige Frau. Für die Ausstellungsmacher wiederum bedeuten die niedrigeren Preise, dass auch die Versicherungssummen nicht so astronomisch sind – daran scheitert sonst so manche Schau.


Eva Hesse (1936-1970). Die deutsch-amerikanische Bildhauerin schuf große Skulpturen aus Kautschuk und Polyester.
Eva Hesse (1936-1970). Die deutsch-amerikanische Bildhauerin schuf große Skulpturen aus Kautschuk und Polyester.Foto: bpk/Münchner Stadtmuseum, Sammlung Fotografie/Hermann Landshoff
Dass die Frauen überhaupt vergessen wurden, hängt nicht zuletzt mit den Brüchen ihrer Biografien zusammen, den privaten wie den politischen. Lotte Laserstein zum Beispiel, deren kraftvolle Porträts der Neuen Sachlichkeit Kritiker und Besucher des Frankfurter Städel-Museums entzücken (ab April ist die Ausstellung in der Berlinischen Galerie zu sehen), musste in den 30er Jahren ins schwedische Exil fliehen. Dort hat sie zwar überlebt – aber um den Preis der künstlerischen Unabhängigkeit. Sie schlug sich vor allem mit gefälligen Auftragsarbeiten durch.
In Berlin konnte man Lotte Laserstein schon 2003 in einer großen Ausstellung entdecken. Dank des Verborgenen Museums, in dem zur Zeit eine viel gelobte Ausstellung der in die Niederlande emigrierten Fotografin Maria Austria zu sehen ist. Die Charlottenburger Institution hat sich schon vor mehr als 30 Jahren zur Aufgabe gemacht, was heute en vogue ist: vergessene Künstlerinnen, vor allem Fotografinnen, wieder in den Fokus zu rücken. Nicht nur mit einzelnen, aufregenden Ausstellungen, sondern langfristigen Forschungen und internationalen Kooperationen. Denn Bekanntmachen allein reicht den Museumsmacherinnen nicht, Bekannthalten heißt die Herausforderung. Auch wenn der Andrang von Studenten und Journalisten in den letzten Jahren spürbar gestiegen sei, könne es noch immer passieren, dass Künstlerinnen in Lexika einfach fehlen. Was wohl passieren würde, wenn die Männer rausflögen?

2019-03-18

Kunsthalle Hamburg am 14.März


in der Sammlung Alter Meister

Hausschrein
dieses mal nicht heutige Werke besucht, 
sondern Alte Meister bis 20.Jh.
Die Kunst der Gegenwart - aus der Sammlung der Kunsthalle -
muß warten bis zum nächsten Besuch.
Am Abend gab es stattdessen Nigel Kennedy and friends.

Frühling in Hamburg

mittelalterliche Madonnen 




was für ein Faltenwurf
dieser Ärmel ...
Stefan Huber: Arbeiten im Reichtum

c`est moi

der Kuß der Blüte

Nigel Kennedy in Hamburg


Kennedy plays Bach

Nigel Kennedy and friends in der  
Laeiszhalle Hamburg am 14.3. 
Bach, Eigenkomposition und 
Gershwin verjazzt.
Viele Vorhänge, mehrere Zugaben,
standing ovations.

Auftritt Kennedy im Prol.outfit 
mit Punkfrisur und neongelben
Sportschuhen and a cup of tea.

Der Bach spielende Punk mit der 6 vor der 2,
göttlicher Violonist und Fußballfan.
Enfant terrible der Klassik.

....... Interval .......
Auftritt nach der Pause:
Kennedy and friends in Fußballshirts. 

Kennedy meets Gershwin

Ein voller Saal, tobendes Publikum. Und Kennedy
liebt sein Publikum, redet mit seinem Publikum,
ist ganz dicht dran und gibt am Ende einer
alten Dame ein Autogramm am Bühnenrand.
Begonnen hat er mit Bach und spielt ihn 
- ohne Noten - einfach so, mit einer 
Leichtigkeit als wäre es Torteessen. 
Geendet hat er nach 2 Stunden Konzert
und 3 Zugaben, u.a. mit einem
Django Reinhardt-Titel und keinerlei Ermüdung.
Eine echte ‘Rampensau‘.




Internationales Mail Art-Projekt ‘Wasserzeichen - watermarks‘

Aus Anlass der 15. Wasserspiele 2018 hatte das Multikulturelle Centrum Templin zum internationalen Mail Art-Projekt aufgerufen und Künstler und Künstlerinnen eingeladen, mit Postkarten an dem Projekt teilzunehmen.

Mehr als 200 Teilnehmer aus 30 Ländern reichten ihre Werke ein. Die Bandbreite der Ausdrucksformen und Inhalte reicht von Karikaturen bis hin zu politischen und philosophischen Statements, klassische Malerei, Grafik und Zeichnung sind ebenso vertreten wie Fotografie, Objekt und Collage. 

2. Ausstellung "Wasserzeichen" 
vom 20.02. bis 12.04.2019
in Prenzlau, Georg-Dreke-Ring 62, 
Hauptstelle der Sparkasse Uckermark.

Ursel Weiler


Gerald Narr

 von Freunden


Luca, Zsuzsanna
Egon Bresien
Dieter Goltzsche

Lutz Wohlrab
Sylvia Dallmann


https://www.multikulturellescentrum.de/galerie/wasserzeichen.html 
https://www.multikulturellescentrum.de/galerie/bildergalerie/galerie/mail-art-projekt-wasserzeichen-watermarks.html

 

2018-09-01

Sichtungen - Marienkirche Angermünde

Kunstausstellung umKunst
kuratiert von Gerald Narr

Aufbau


alles im Griff


Stadtgeflüster
alles im Griff II
alles im Griff I


der Herr Kurator
mit Landrätin + Bürgermeister